Herstellung
 
 
Herstellung der Goldhaube
 
Fast alle Goldhauben, die von Alt-Passauer Goldhaubenfrauen getragen werden, sind in eigener Handarbeit gefertigt oder stammen aus altem Familienbesitz. Das bedeutet, dass keine Goldhaube der anderen gleicht, jede ein Unikat darstellt.
Das Sticken erfordert Fingerspitzengefühl, viel Ausdauer und fachliche Beratung. Diese Fertigkeiten kann man in Goldhaubenstickkursen erlernen.
 
In einem Holzrahmen wird ein 15 x 115 cm breites Band, das aus feinst gewalztem, vergoldetem Nickel-Goldgespinst gewebt wird, mit goldfarbenem Seidenfutter unterlegt u. gespannt. Das, von jeder Goldhaubenfrau entworfene Muster, wird auf Seidenpapier gezeichnet und auf dieses Band geheftet.
 
Aufgestickt werden Flitter (Flinserl) und Folien in verschiedenen Größen und Formen, in die vorher mit einer kleinen Ahle Löcher geschlagen werden und mit Bouillon (ein hohler feingedrehter Golddraht) verziert werden. Das Material besteht aus Kupfer, das im galvanischen Verfahren mit 18 Karat vergoldet ist.
 
 
Auf das vorgezeichnete Grundmuster werden mit vergoldetem Vorlauffaden Flitter, Perlen und andere Schmuckelemente aufgenäht. Dann wird das Seidenpapier vorsichtig entfernt. Mit Folien, in die vorher mit einer kleinen Ahle Löcher geschlagen wurden, sowie Bouillon und Goldborten wird das Muster vollendet.
 
 
Nach dem Stickvorgang wird das bestickte Band oben gerafft und über einen umsponnenen Draht, dessen Gerüst vorher angefertigt wurde, gezogen und aufgenäht. Je nach Kopfgröße werden die beiden Flügel zusammengenäht
 
Der Knauf, das prunkvollste Stück der Goldhaube, wird unabhängig vom Band angefertigt und erst dann auf die Haube genäht.
Als letztes wird auf die Flügel die Spitzenschleife aufgenäht. Sie besteht aus schwarzer Web-, Klöppel- oder bestickter Tüllspitze mit einer Drahtversteifung am Rand, die mit einer Borte gesäumt ist.
 
Je aufwendiger das Muster ist, um so mehr Arbeitsstunden benötigt man bis zur Fertigstellung. Man arbeitet zwischen 300 und 400 Stunden an einer Goldhaube. Die Materialkosten liegen heute durchschnittlich zwischen
750 bis 1.000 EUR. Dazu sind noch die Kursgebühren zu rechnen.